ai-dict.org

Ratgeber

Datenschutz bei KI-Tools: Was du eingeben solltest und was nicht

Von Gabriel SchaffrathLesezeit: 7 Min.Stand November 2026

Kurz erklärt

Gib in einen KI-Chat nur ein, was du notfalls auch einer fremden Person zeigen würdest. Passwörter, Gesundheitsdaten, Kundendaten und Vertrauliches aus dem Job gehören nicht hinein. Die Anbieter speichern deine Eingaben, und je nach Tarif und Einstellung können sie fürs Training genutzt oder von Menschen geprüft werden. In ChatGPT, Claude, Google Gemini, Microsoft Copilot und Mistral Vibe kannst du das Training in den Einstellungen abschalten.

Du willst schnell eine E-Mail umformulieren, einen Arztbrief verstehen oder eine Kundenanfrage beantworten lassen und kopierst den Text einfach in den Chat. Das ist bequem, aber in diesem Moment verlassen deine Daten dein Gerät. Was danach mit ihnen passiert, hängt vom Anbieter, deinem Tarif und deinen Einstellungen ab. In diesem Ratgeber erfährst du, was mit deinen Eingaben geschieht, welche Daten tabu sind und wie du in den großen Assistenten das Training abschaltest. Am Ende wartet eine kurze Checkliste, die du vor jedem Eingeben durchgehen kannst.

Was passiert mit dem, was ich in einen KI-Chat eingebe?

Sobald du auf Senden drückst, geht dein Text an die Server des Anbieters. Dort berechnet das Modell die Antwort, und der Chat landet in der Regel in deinem Verlauf, damit du ihn später wieder öffnen kannst. Hochgeladene Dateien und Fotos werden genauso verarbeitet wie getippter Text.

Zusätzlich können deine Eingaben als Trainingsdaten dienen, also helfen, künftige Modelle zu verbessern. Ob das passiert, hängt vom Anbieter, vom Tarif und von deinen Einstellungen ab. Bei mehreren großen Assistenten ist das Training im Privat-Tarif eingeschaltet, bis du es selbst abschaltest.

Außerdem lassen manche Anbieter einen Teil der Chats von Menschen prüfen, etwa zur Qualitätskontrolle oder um Missbrauch zu erkennen. Google bittet Gemini-Nutzer ausdrücklich, nichts Vertrauliches einzugeben, das ein Prüfer nicht sehen soll. Geprüfte Chats bewahrt Google bis zu drei Jahre auf, getrennt von deinem Konto.

Tipp: Auch eine Bewertung per Daumen hoch oder runter zählt: Bei Claude und Google Gemini kann dann die zugehörige Unterhaltung gespeichert und zur Verbesserung genutzt werden, selbst wenn das Training sonst ausgeschaltet ist. Bewerte deshalb keine Chats mit sensiblen Inhalten.

Was gehört nie in einen KI-Chat?

Eine einfache Faustregel: Alles, was dir oder anderen schaden könnte, wenn es in falsche Hände gerät, bleibt draußen. Das gilt auch dann, wenn du das Training abgeschaltet hast, denn gespeichert wird trotzdem.

Brauchst du trotzdem Hilfe bei einem solchen Thema, entferne vorher alles, was eine Person erkennbar macht. Aus „Herr Müller aus Ulm, Befund vom 3. Mai“ wird „ein Patient, Mitte 50, aktueller Befund“. Für eine gute Antwort braucht die KI fast nie echte Namen. Wie du trotzdem genug Kontext mitgibst, erklärt unser Ratgeber Prompts schreiben für Einsteiger.

Wo schalte ich das Training bei ChatGPT, Claude, Gemini, Copilot und Mistral ab?

Die folgenden Wege stammen aus den Hilfeseiten der Anbieter (Stand: November 2026). Menünamen ändern sich gelegentlich, und die deutsche Oberfläche kann leicht anders heißen. Microsoft hat außerdem eine neue Copilot-App eingeführt, dort können die Wege abweichen.

AssistentTraining abschaltenGut zu wissen
ChatGPTEinstellungen → Datenkontrollen → „Das Modell für alle verbessern“ ausTemporärer Chat: kein Training, gelöscht binnen 30 Tagen
ClaudeEinstellungen → Datenschutz → Schalter „Model Improvement“ (Modellverbesserung) ausInkognito-Chats werden nicht fürs Training genutzt
Google GeminiGemini-Apps-Aktivitäten → Speichern der Aktivitäten („Keep Activity“) ausNeue Chats bleiben trotzdem 72 Stunden gespeichert
Microsoft CopilotProfil → Datenschutz → Training mit Unterhaltungen und Sprachunterhaltungen ausGilt nur für künftige Unterhaltungen
Mistral VibeEinstellungen → Datenschutz → Training mit deinen Interaktionen aus, in der App „Datenfreigabe“Für Privatnutzer standardmäßig eingeschaltet

Wichtig: Das Abschalten wirkt nur für künftige Chats. Bereits gespeicherte Unterhaltungen bleiben in deinem Verlauf, bis du sie selbst löschst. Und auch ohne Training behalten die Anbieter Chats eine Weile, etwa zur Missbrauchskontrolle. Was hinter dem Begriff steckt, erklärt unser Lexikon unter Training-Opt-out.

Privat oder Business: Was gilt für Selbstständige und Firmen?

Gratis-Versionen und private Abos wie Plus oder Pro sind für Einzelpersonen gedacht. Business- und Enterprise-Tarife richten sich an Firmen und haben meist strengere Datenregeln: Das Training mit Firmendaten ist dort in der Regel standardmäßig aus, Administratoren steuern die Einstellungen zentral, und es gibt Verträge zur Datenverarbeitung. Wann sich ein Bezahl-Tarif generell lohnt, liest du im Ratgeber Gratis oder Abo.

Verlass dich trotzdem nicht blind auf das Etikett. Bei Mistral Vibe etwa ist das Training im Enterprise-Tarif von Haus aus abgeschaltet, im Team-Tarif muss es der Admin selbst ausschalten. Stellt dein Arbeitgeber ein KI-Tool bereit, nutze für Berufliches genau dieses und nicht deinen privaten Zugang.

Arbeitest du selbstständig und gibst Kundendaten in ein KI-Tool, verarbeitest du personenbezogene Daten im Sinne der DSGVO. Der Grundgedanke: Du brauchst dafür eine Rechtsgrundlage, musst deine Kunden transparent informieren und mit dem Anbieter in der Regel einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) schließen. Privat-Tarife sind dafür meist nicht ausgelegt.

Am einfachsten ist es, gar keine personenbezogenen Kundendaten einzugeben und mit anonymisierten Beispielen zu arbeiten. Dieser Abschnitt ist keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen wende dich an eine Fachperson für Datenschutz.

Welche Alternativen gibt es für sensible Daten?

Die datensparsamste Variante ist eine lokale KI. Das Modell läuft direkt auf deinem Rechner oder Handy, deine Eingaben verlassen das Gerät nicht. Dafür sind lokale Modelle kleiner, langsamer und bei Fakten weniger zuverlässig als die großen Cloud-Assistenten. Wie du das ohne Vorwissen einrichtest, zeigt KI offline auf dem Handy nutzen.

Auch für einzelne Aufgaben gibt es lokale Lösungen: Whisper (lokal) schreibt Aufnahmen auf deinem eigenen Rechner mit, mehr dazu bei den Tools für Meetings und Transkription. Obsidian + lokale KI verbindet deine Notizen mit einem Modell, das auf deinem Gerät läuft.

Eine zweite Möglichkeit sind Anbieter mit Sitz in der EU, etwa Mistral aus Frankreich oder DeepL aus Deutschland. Das kann Fragen rund um Datenübermittlungen in Drittländer vereinfachen. Ein Freibrief ist ein EU-Sitz aber nicht: Mistral Vibe nutzt Eingaben von Privatnutzern standardmäßig fürs Training, bis du widersprichst.

Tipp: Unsere Empfehlung: Nutze die großen Cloud-Assistenten ruhig für Alltägliches, aber mit ausgeschaltetem Training. Für wirklich Sensibles wie Gesundheit, Finanzen oder Kundendaten greifst du zur lokalen KI oder anonymisierst konsequent, bevor du etwas eingibst.

Checkliste: Was prüfe ich, bevor ich etwas eingebe?

  1. Würde ich diesen Text auch einer fremden Person zeigen?
  2. Stehen Namen, Adressen, Kontonummern oder Gesundheitsangaben drin? Dann entfernen oder durch Platzhalter ersetzen.
  3. Betrifft der Inhalt nur mich oder auch Kunden, Kollegen oder Familie?
  4. Ist das Training ausgeschaltet, oder nutze ich einen temporären oder Inkognito-Chat?
  5. Geht es um Berufliches? Dann das Tool verwenden, das mein Arbeitgeber freigegeben hat.
  6. Lade ich eine Datei hoch? Dann auch Kommentare, versteckte Tabellenblätter und Metadaten prüfen.
  7. Reicht für diese Aufgabe vielleicht eine lokale KI?

Genauso kritisch wie deine Eingaben solltest du übrigens die Antworten behandeln. Wie das geht, zeigt der Ratgeber KI-Antworten prüfen.

Häufige Fragen

Liest bei KI-Chatbots jemand meine Nachrichten mit?

Grundsätzlich werden Chats automatisch verarbeitet. Viele Anbieter behalten sich aber vor, einzelne Unterhaltungen von Menschen prüfen zu lassen, etwa zur Qualitätskontrolle oder bei Verdacht auf Missbrauch. Google sagt das für Gemini ausdrücklich. Geh deshalb davon aus, dass deine Eingaben nicht völlig privat sind, und schreibe nichts hinein, was niemand sehen darf.

Darf ich Kundendaten in ChatGPT eingeben?

Als Selbstständiger oder Firma solltest du das mit einem Gratis- oder Privat-Abo vermeiden. Für personenbezogene Kundendaten brauchst du nach der DSGVO unter anderem eine Rechtsgrundlage und in der Regel einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter. Dafür sind Business-Tarife gedacht. Noch einfacher ist es, die Daten vorher zu anonymisieren. Bei konkreten Fällen hilft eine Fachperson für Datenschutz.

Sind gelöschte KI-Chats wirklich weg?

Nicht unbedingt sofort. Löschen entfernt den Chat aus deinem Verlauf, auf den Servern verschwindet er oft erst nach einer Frist. Bei Google Gemini bleiben Chats, die Prüfer bereits gesichtet haben, bis zu drei Jahre gespeichert, getrennt von deinem Konto. Das Löschen deiner Aktivität erfasst sie nicht. Lies im Zweifel die Datenschutzhinweise deines Anbieters.

Ist eine lokale KI wirklich sicher?

Für den Datenschutz ist sie die sparsamste Lösung, weil deine Eingaben das Gerät nicht verlassen. Sicher heißt aber nicht sorglos: Lade Apps und Modelle nur aus vertrauenswürdigen Quellen und schütze dein Gerät mit einem Sperrcode, denn die Chats liegen dort gespeichert. Inhaltlich gilt wie bei jeder KI, dass Antworten auch falsch sein können.